Sebastian T. nach Haftentlassung: Hoffnung auf Gerechtigkeit für Hanna
Sebastian T. wurde 2025 nach einem umstrittenen Mordurteil freigelassen. Ein neuer Prozess steht bevor, Hoffnung auf Klärung bleibt.

Sebastian T. nach Haftentlassung: Hoffnung auf Gerechtigkeit für Hanna
Nach einem langen und gebrochenen Weg hat Sebastian T., der im Herbst 2022 für den mutmaßlichen Mord an der Medizinstudentin Hanna Wörndl verurteilt wurde, am 20. Juni 2025 seine Freiheit zurückgewonnen. Ein Jahr lang saß der inzwischen 23-Jährige in der Justizvollzugsanstalt Traunstein, wo er seine Haftzeit nicht nur mit dem Verarbeiten seiner persönlichen Tragödie füllte, sondern auch dreimal seinen Geburtstag und Weihnachten im Gefängnis feierte. Viele Gedanken umtreiben ihn, während er nach seiner Entlassung, wie Merkur berichtet, versucht, sich wieder in der Welt zurechtzufinden.
Sein ursprüngliches Urteil basierte stark auf der Aussage eines Mitgefangenen, der behauptete, Sebastian T. habe ihm in der Zelle gestanden, dass er Hanna getötet habe. Ein psychologisches Gutachten stellte jedoch die Glaubwürdigkeit dieser Behauptungen in Frage. Der Bundesgerichtshof hob daraufhin das Urteil auf, und der Fall wird nun im September neu verhandelt, mit guten Chancen auf einen Freispruch für den jungen Mann, der bisher in Aschau lebte.
Der Weg in die Freiheit
Nach seiner Freilassung verbrachte Sebastian viel Zeit mit seiner Familie, aß Weißwürste und pflegte die Kontakte, die ihm in der Haft gefehlt hatten. Längst hat er die Sehnsucht nach
Bergen, Freiheit und einer unüberwachten Existenz verspürt. Er genießt es, wieder draußen zu sein, spielt Tischtennis, radelt durch die Natur und isst so viel Eis und Spiegeleier, wie er will. Diese kleinen Freuden sind für ihn bedeutend, denn während einer Haftzeit von 945 Nächten erlebte er oft Mangel an Freiheit und persönlicher Entfaltung. Der neue Prozess im September bringt für Sebastian T. sowohl Hoffnung als auch Angst, denn sollte das Urteil erneut gegen ihn ausfallen, würde er an nichts mehr glauben.
Trotz seiner Freiheit kam Sebastian T. bisher nicht im Kontakt mit der Familie von Hanna Wörndl, seiner ehemaligen Kommilitonin und dem möglichen Mordopfer. Dennoch bleibt er optimistisch und hofft auf eine Klärung, die beiden betroffenen Familien Frieden bringen kann.
Die Hintergründe des Falls
Hanna Wörndl wurde am 3. Oktober 2022 in Aschau tot aufgefunden. Sebastian T. war an diesem Tag joggen, und obwohl Zeugen ihn in der Nähe sahen, gab es keine Beweise, die ihn direkt mit dem Mord in Verbindung brachten. Ein eigens für diesen Fall eingesetzter Psychologe, Max Steller, kam zu dem Schluss, dass der Zeuge, der Sebastian belastete, eine Neigung zum Lügen hatte. Dies führte schließlich zur Überprüfung desfalls und zur Aufhebung des richterlichen Urteils.
In der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion über die Justiz und den Umgang mit Strafverfahren wird deutlich, dass Fälle wie dieser das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit auf die Probe stellen. Die Aufarbeitung eines so tragischen Vorfalls erfordert sowohl Mut als auch einen unermüdlichen Einsatz der Justiz. Eine aktuelle Veröffentlichung des statistischen Berichts zum Strafvollzug in Deutschland ergänzt die Diskussion zur Inhaftierung von Straftätern und den Herausforderungen, mit denen das System konfrontiert ist. Auch Destatis liefert hier wichtige Daten zur Thematik.
Ob der neue Prozess eine Gerechtigkeit für alle Beteiligten bringen kann, bleibt abzuwarten. Sebastian T. steht vor einer neuen Gelegenheit, seine Unschuld zu beweisen und einen Neuanfang zu wagen.