Am Donnerstag, den 23. April, wird in der Liebigstraße 21 in München ein bedeutendes Erinnerungszeichen für die jüdische Familie Helbing angebracht. Diese Veranstaltung, die um 16.45 Uhr beginnt, wird von Andrea Stadler-Bachmaier vom Bezirksausschuss 1 (Altstadt-Lehel) begleitet, während Rabbiner Shmuel Aharon Brodman das jüdische Totengebet „El Male Rachamin“ spricht. Die Gedenktafeln zeigen die Lebensdaten und Porträts von Hugo Helbing, seinem Sohn Fritz und dessen Ehefrau Dora. Die Familie Helbing war in der Kunstszene Münchens eine feste Größe und betrieb eines der angesehensten Auktionshäuser Europas, die Galerie Helbing, die maßgeblich zur internationalen Reputation Münchens im Kunsthandel beitrug.

Die Anbringung der Gedenktafeln ist nur der Auftakt zu einem zentralen Gedenkakt, der ab 17.30 Uhr in der Aula des Städtischen St.-Anna-Gymnasiums stattfindet. Schulleiterin Susanne Sütsch wird die Gäste begrüßen, während Stadträtin Nimet Gökmenoğlu in Vertretung des Oberbürgermeisters sprechen wird. Auch weitere bedeutende Persönlichkeiten wie Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, Dr. Johannes Nathan und Anja Akikazu Matsuda werden an diesem Tag zu Wort kommen. Musikalisch wird der Abend von Schülern des Gymnasiums gestaltet, was dem Gedenken eine besondere Note verleiht.

Die tragische Geschichte der Familie Helbing

Hugo Helbing, 1863 in München geboren, gründete bereits im Alter von 22 Jahren sein Auktionshaus. Doch die nationalsozialistischen Repressalien ab 1935 führten zu einer dramatischen Einschränkung seiner unternehmerischen Aktivitäten. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde Helbing überfallen und starb am 30. November 1938 an seinen Verletzungen. Sein Sohn Fritz wurde zur gleichen Zeit ins Konzentrationslager Dachau verschleppt und war gezwungen, Zwangsarbeit zu leisten. Die unmenschliche Verfolgung erreichte ihren traurigen Höhepunkt, als Fritz und seine Ehefrau Dora Goldstein am 13. März 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort vermutlich ermordet wurden.

Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und Angehörigen der Familie Helbing durchgeführt und ist Teil eines größeren Gedenkprojekts, das seit 2018 an Orten Erinnerungszeichen anbringt, wo Menschen von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Gedenktafeln sind nicht nur ein Zeichen des Gedenkens, sondern auch ein Aufruf an die Gesellschaft, die Vergangenheit nicht zu vergessen und aus ihr zu lernen.

Ein bedeutender Beitrag zur Erinnerungskultur

Die Anbringung der Gedenktafeln für die Familie Helbing ist ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung der Münchner Geschichte und der Erinnerungskultur. Die Stadt München zeigt damit, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst ist, an die Schicksale der verfolgten und ermordeten Juden zu erinnern und ihre Geschichten lebendig zu halten. Das Helbing Art Research Project, geleitet von Professorin Dr. Meike Hopp, spielt eine entscheidende Rolle bei der Erforschung des Verbleibs der Werke aus der Sammlung von Hugo Helbing und ist Teil eines umfassenderen Bestrebens, die Kunst- und Kulturgeschichte Münchens zu bewahren.

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Die kommenden Veranstaltungen und die Anbringung der Gedenktafeln sind nicht nur ein Zeichen des Respekts gegenüber der Familie Helbing, sondern auch ein Appell an alle Münchner, sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen und das Erbe der jüdischen Kultur in München zu würdigen. Denn nur durch das Gedenken und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit können wir eine bessere Zukunft gestalten.