In der bayerischen Landeshauptstadt München liegt ein umstrittenes Projekt auf dem Tisch, das die Geister scheidet: Im Rahmen der Stadtentwicklung sind Pläne für ein neues Wohnquartier in Trudering und Riem auf den Weg gebracht worden. Der Haarer Stadtrat bringt dabei einige ernsthafte Bedenken zum Ausdruck. Bis zu 80 Meter hohe Gebäude sind in der Diskussion, und die Pläne, die rund 6150 Einwohner beherbergen sollen, werfen Fragen auf.
Das neue Areal, das zwischen der Bahnlinie München-Rosenheim und dem Alten Riemer Friedhof verortet ist, soll Platz für etwa 2550 Wohneinheiten bieten. Neben Wohnraum sind auch Einzelhandel, eine Grundschule und ein Kinder- und Jugendhaus geplant, gleichwohl wird die Augenhöhe der Bauwerke als problematisch angesehen. Der Stadtrat Haar fordert, dass die Sichtachsen und die optischen Auswirkungen der Hochhäuser in den Planungen Berücksichtigung finden, da Gronsdorfer auf über 20 Meter hohe Bauten blicken könnten, was als blockartig empfunden wird. Merkur berichtet, dass die Stadt München in einem Brief vom Haarer Stadtrat dazu aufgefordert wird, einen abgestuften Übergang bei der Höhenentwicklung nach Osten zu prüfen.
Wachsendes Bedürfnis nach Wohnraum
Wie die Süddeutsche berichtet, ist das Neubaugebiet am Rappenweg ebenfalls von Bedeutung. Hier entstehen auf einer Fläche von 25 Hektar zu zwei Dritteln 2000 bis 2700 Wohnungen, die Platz für über 5000 Menschen bieten sollen. Ein Großteil des Wohnraums wird gefördert. Die Eckdaten für das Projekt wurden mit großer Mehrheit im Stadtrat verabschiedet, dennoch gab es auch kritische Stimmen, insbesondere von der ÖDP, Die Linke und AfD. Die städtebauliche Gestaltung ist noch nicht finalisiert und wird in einem kooperativen Verfahren mit drei Planungsteams erarbeitet, was es spannend macht, wie die Idee letztendlich umgesetzt wird.
Das geplante Hochhaus von etwa 72 Metern Höhe zieht schon jetzt die Aufmerksamkeiten auf sich, da in der Region eine hohe Dichte angestrebt wird. Eine GFZ von 3,0 ist im Gespräch, die sich verglichen zu den Altbauvierteln in Schwabing-West mit einer GFZ von 2,5 bis 3,0 durchaus sehen lassen kann. Dies gibt den Investoren Hoffnung, dass das städtebauliche Konzept in den nächsten sechs Monaten vorgestellt werden kann.
Verkehrsanbindung und Herausforderungen
Die Verkehrsanbindung des neuen Wohngebiets sorgt jedoch für Verunsicherung. Die nächste S-Bahn-Station in Gronsdorf ist etwa 15 Minuten zu Fuß entfernt, und die Zukunft einer angedachten Tramlinie an der Wasserburger Landstraße bleibt unklar. Die Stadt Haar lehnt zudem eine Straßenanbindung durch Gronsdorf ab, da eine neue Brücke über die Bahngleise geplant ist, deren Kosten bei etwa 46 Millionen Euro liegen und die von den Grundeigentümern zu tragen sind.
Stadtbaurätin Elisabeth Merk versichert, dass vertiefende Gutachten durchgeführt werden, um auf die kritischen Punkte einzugehen. Während SPD und Grüne das Projekt unterstützen, fordern sie zusätzliche Verkehrsanbindungen. Die CSU und die Freien Wähler hingegen lehnen zusätzliche Anpassungen ab und möchten, dass das Projekt zügig vorankommt.
Die Bedenken aus der Nachbargemeinde Haar sind also nicht unbegründet. Neben den Hochhäusern und der Wohnraumentwicklung stehen viele Herausforderungen im Raum, die es zu bewältigen gilt, um den Ansprüchen und Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden. Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich diese Diskussionen entwickeln und welchen Einfluss sie auf die Baupläne haben werden.