In der Messestadt Riem wird derzeit an einer innovativen Methode zur Wiederverwertung von Baustellen-Aushub gearbeitet. Fast jedes Gebäude benötigt einen Keller oder eine Tiefgarage, was das Ausheben eines Lochs erforderlich macht. Dabei fällt eine große Menge an Aushub an, die häufig als Abfall betrachtet wird. Die obere Schicht, der Humus oder Oberboden, wird meist wiederverwendet, während der Unterboden ab etwa einer Tiefe von einem halben Meter oft als minderwertig gilt und teuer entsorgt werden muss. Laut einer Studie stellen Böden innerhalb der EU ein Viertel des Abfalls dar. Doch es gibt Hoffnung: Lauren Porter und Nadja Berger von der Technischen Universität München (TUM) in Weihenstephan haben ein Verfahren zur Aufwertung und Wiederverwendung von Baustellen-Aushub entwickelt, das organische Abfälle nutzt. (Quelle)
Der Fokus der Forschung liegt auf dem Unterboden, da der Oberboden bereits weitgehend wiederverwendet wird. Die Forscher mischten Aushub-Böden mit drei Prozent Grünabfallkompost und drei Prozent Pflanzenkohle, was fast drei Tonnen Erde erforderte. Die Pflanzenkohle, hergestellt aus organischen Abfallprodukten der Biogasproduktion, verhilft den neu „konstruierten“ Böden zu einer verbesserten Funktionalität. Diese Böden zeigen signifikante Verbesserungen, einschließlich eines bis zu vierfach erhöhten Stickstoffgehalts und einer erhöhten Kohlenstoffanreicherung. Zudem können sie bis zu 90 Prozent der Schadstoffe, wie etwa Schwermetalle, zurückhalten.
Nachhaltigkeit und Vorteile der Wiederverwendung
Die Aufwertung des Aushubs hat nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile. Durch die Wiederverwendung von Aushub als große Abfallquelle kann eine signifikante Menge an Abfall vermieden werden. Die Möglichkeit, diese Böden an spezifische Anwendungsfälle anzupassen, etwa zur Verbesserung der Schadstoffbindungsfähigkeit für Straßenrandstreifen oder zur Erhöhung der Fruchtbarkeit für Erholungsflächen, macht das Verfahren besonders vielseitig. Berger testete die künstlich hergestellten Böden sogar als Substrat in Gewächshäusern. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Pflanzen aus wechselfeuchten Gebieten, wie Leguminosen und Hornklee, gedeihen gut auf diesen Böden.
Zusätzlich wird im Rahmen des EU-geförderten Projekts SOILWASTEBENEFITS die Anwendung von recycelten organischen Abfällen auf Böden untersucht. Forscher analysieren die Umweltauswirkungen dieser Abfälle, die als Düngemittel und zur Verbesserung der Bodenqualität eingesetzt werden. Dabei wird die Ökobilanz (LCA) herangezogen, um die Auswirkungen des Abfall-Management-Prozesses, einschließlich Energieverbrauch und Emissionen, zu bewerten. Langfristige Feldversuche über elf Jahre zeigen, dass die Anwendung von Kompost zu Kraftstoffeinsparungen von bis zu 25 Prozent führen kann, da der Bodenwiderstand bei der Bearbeitung reduziert wird. (Quelle)
Herausforderungen für die Bodenqualität
Die intensive landwirtschaftliche Nutzung und die übermäßige Zufuhr von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln stellen eine erhebliche Belastung für Böden dar. Diese Praktiken können die Bodeneigenschaften negativ beeinflussen und zu Umweltwirkungen wie der Versiegelung von Böden, Verdichtung des Bodengefüges und Stickstoffüberschuss führen. Das Umweltbundesamt setzt sich für den Schutz der Böden ein und erarbeitet Grundlagen zur Sicherung der Bodenqualität, um die nachhaltige Sicherung dieser wertvollen Ressource zu gewährleisten. (Quelle)
Insgesamt zeigt sich, dass die innovative Wiederverwendung von Baustellen-Aushub und die Anwendung organischer Abfälle zur Verbesserung der Bodenqualität nicht nur eine Lösung für ein Abfallproblem darstellen, sondern auch einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten können. Die Forschung in diesem Bereich ist von zentraler Bedeutung für eine nachhaltige Zukunft.