Am 8. März 2026 stehen in Haar die Bürgermeisterwahlen an, die im Rahmen der Kommunalwahlen in Bayern stattfinden. An diesem Tag werden nicht nur die Bürgermeister, sondern auch Landräte sowie Stadt-, Gemeinde- und Marktgemeinderäte sowie Kreistage gewählt. Die letzte Wahl in Haar ging 2020 an Andreas Bukowski von der CSU, der mit 51,5 % der Stimmen gegen die SPD-Kandidatin Gabriele Müller, die 48,5 % erhielt, gewann. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 63,7 %. Der Bürgermeister in Bayern wird für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt, wobei das Mehrheitswahlsystem zur Anwendung kommt. Sollte kein Kandidat mehr als 50 % der Stimmen erhalten, gibt es eine Stichwahl, die für Haar am 22. März 2026 stattfinden würde.
Haar, das am 28. Januar 2025 zur Stadt erhoben wurde, hat derzeit 22.878 Einwohner auf einer Fläche von 12,90 Quadratkilometern, was einer Bevölkerungsdichte von 1.773 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht. Der Ort grenzt an den Münchner Stadtbezirk Trudering-Riem sowie an die Gemeinden Feldkirchen, Vaterstetten, Grasbrunn und Putzbrunn. Der größte Arbeitgeber in Haar ist das Isar-Amper-Klinikum München-Ost mit rund 2.200 Mitarbeitern. Die Gemeinde verfügt über eine gute Anbindung an die A 99 sowie zwei Bundesstraßen und ist durch die S-Bahnlinien S 4 und S 6 direkt mit München verbunden.
Politische Landschaft und Herausforderungen
Die bevorstehenden Wahlen sind nicht nur eine Frage der Stimmen, sondern auch ein Spiegelbild der politischen Auseinandersetzungen in der Gemeinde. Insbesondere die finanzielle Lage der Gemeinde hat zu unterschiedlichen Ansätzen geführt. Die CSU unter Bürgermeister Bukowski fordert neue Gewerbegebiete zur Steigerung der Einnahmen, während die Grünen die Sparappelle der CSU als Schwarzmalerei kritisieren. Die SPD hingegen setzt sich für eine maßvolle Entwicklung ein, die städtebauliche Kriterien berücksichtigt.
Für die Bürgermeisterwahl 2026 haben sich fünf männliche Kandidaten angekündigt, darunter zum ersten Mal ein Kandidat der AfD. Andreas Bukowski, der seit 2020 im Amt ist und einen Doktortitel in Deutscher Literatur und Psychologie hat, strebt eine zweite Amtszeit an und setzt sich für den Ausbau von Kitas und Schulen sowie für Gewerbeflächen auf der Finckwiese ein. Peter Schießl von der SPD, 66 Jahre alt und seit 2020 im Stadtrat, warnt vor einer „Richtungswahl“ und kritisiert die CSU für ihre Politik. Ulrich Leiner von den Grünen, der bereits 2020 Bürgermeisterkandidat war und seit 1994 in Haar lebt, fordert ein Gesamtkonzept für die Gewerbeentwicklung.
Vielfalt der Wählergruppen
Die bayerischen Kommunalwahlen zeichnen sich durch eine hohe Vielfalt aus. In diesem Jahr gibt es über tausend Wahlvorschläge, obwohl nur in 1.920 von 2.056 Gemeinden ein neuer Chef gewählt wird. In Bayern gibt es keine Fünfprozenthürde, was die Vielfalt in den Räten fördert und die Hemmschwelle zur Kandidatur senkt. Besonders in kleinen Gemeinden, wie Haar, spielen emotionale Bindungen an die Parteien eine geringere Rolle bei der Wahlentscheidung.
Politik- und Verwaltungswissenschaftler beobachten einen Anstieg von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, die von Wählergemeinschaften aufgestellt werden. Diese sind meist nur in einer Gemeinde aktiv und viele haben originelle Namen. So gibt es Beispiele für erfolgreiche Kombi-Kandidaturen zwischen etablierten Parteien und örtlichen Wählergruppen, die den Wählern in Haar neue Optionen bieten könnten. Bei den bevorstehenden Wahlen wird es spannend sein zu beobachten, wie sich diese Dynamiken auf das Ergebnis auswirken werden.
Für Haar, das 2021 den Bayerischen Biodiversitätspreis erhielt und seit 1997 über 40.000 Quadratmeter Grünflächen in artenreiche Magerwiesen umgewandelt hat, wird die Wahl im März 2026 also nicht nur eine personelle, sondern auch eine richtungsweisende Entscheidung für die Zukunft der Stadt darstellen. Die Bürger sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben und aktiv an der Gestaltung ihrer Gemeinde teilzunehmen.