Die Ruhe des Alten Südfriedhofs in München wird durch ein verwahrlostes Grab überlagert, das ein Stück deutscher Medizingeschichte repräsentiert. Das Grab von Franz Christoph von Rothmund, einem bedeutenden Chirurgen und Wegbereiter der modernen Chirurgie, liegt im Chaos. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird der Friedhof nicht mehr für Beerdigungen genutzt, doch die Gräber besonderer Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, wie beispielsweise Leo von Klenze und Carl Spitzweg, befinden sich hier und benötigen dringend Aufmerksamkeit.

Der Bezirksausschuss (BA) Ludwigs- und Isarvorstadt hat nun den Entschluss gefasst, aktiv zu werden. Konkret fordern die Mitglieder Maßnahmen zur Wiederherstellung des Grabes Nr. 36-1-34, das durch einen Kirschlorbeerbaum, der als unheimlich giftig gilt, verdeckt ist. Diese Pflanze ist nicht heimisch, und darüber hinaus stellen sich Schmutz, Abfall und Gerümpel zwischen dem Busch und dem Grabstein zusammen, was die Grabstätte noch unansehnlicher macht.

Ein Erbe, das in Gefahr ist

Franz Christoph von Rothmund, geboren 1801, hat nicht nur als Professor und Direktor der Chirurgischen Abteilung am Städtischen Krankenhaus München gewirkt, sondern wird auch als einer der Gründungsväter der modernen Chirurgie angesehen. Er legte mit seiner 1823 abgeschlossenen Promotion und den nachfolgenden Bemühungen um die Professionalisierung der Medizin den Grundstein für zahlreiche Fortschritte in der Chirurgie. Zu seinen innovativen Methoden gehört die Einführung der Äthernarkose, die zu seiner Zeit bahnbrechend war.

Der BA plant, sich umgehend an die Friedhofsverwaltung und das Gartenbauamt zu wenden, um den Antrag zur Beseitigung des Kirschlorbeerbaums und zur Säuberung des Grabes voranzutreiben. Die Mitglieder des Bezirksausschusses zeigen sich eindeutig besorgt und setzen eine Frist, um sicherzustellen, dass etwas passiert. Denn der Erhalt Rothmunds Vermächtnis könnte ansonsten schwer gefährdet werden.

Der Blick nach vorn

Zusätzlich zu den Maßnahmen rund um Rothmunds Grab möchte der BA die Bedingungen weiterer prominenter Gräber am Alten Südfriedhof prüfen. Schließlich kann München stolz auf die Gräber ihrer historischen Persönlichkeiten sein, die einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Stadt geleistet haben.

Die Situation auf dem Alten Südfriedhof zeigt, dass Erinnerungen nicht nur in unseren Herzen, sondern auch an den Orten, wo sie ruhen, gepflegt werden sollten. Ein gutes Händchen bei der Wiederherstellung dieser Gräber könnte sowohl der Stadt als auch dem Erbe ihrer großen Söhne und Töchter zugutekommen.