In München zeigt eine neue Studie unter der Leitung des bayerischen Jugendforschers Simon Schnetzer, wie stark die aktuellen Krisen die Psyche der jungen Menschen belasten. Laut der Untersuchung fühlen sich 29 % der 14- bis 29-Jährigen aufgrund psychischer Belastungen behandlungsbedürftig, während 15 % bereits professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die Hauptgründe für diese Belastungen sind der anhaltende Krieg in Europa und im Nahen Osten, die Inflation, der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, die gesellschaftliche Spaltung sowie die politischen Entwicklungen in den USA, etwa die Präsidentschaft von Donald Trump. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass viele Jugendliche düstere Zukunftsaussichten haben.
Ein besonders besorgniserregendes Ergebnis der Studie ist, dass 41 % der Befragten über einen Umzug ins Ausland nachdenken, während 21 % konkrete Pläne schmieden. Beliebte Ziele sind Skandinavien, Australien, Spanien, die USA und die Schweiz. Darius Göttert, ein 25-jähriger Start-up-Gründer aus München, sieht nach wie vor Potenzial in Deutschland, weist aber darauf hin, dass sich die Zukunftschancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich verschlechtert haben.
Berufliche Perspektiven trüben sich
Obwohl 63 % der jungen Leute für 2024 bessere Jobchancen erwarten, was einen Anstieg im Vergleich zu 50 % im Vorjahr darstellt, zeigt die Realität ein anderes Bild: Viele der Bewerbungen führen nicht zu Rückmeldungen, und viele Jugendliche sind froh, überhaupt einen Job zu ergattern. Die Ansprüche an den Arbeitsmarkt sinken, und sichere Ausbildungsplätze haben bei den Jugendlichen Hochkonjunktur. Die aktuellen Veränderungen durch Künstliche Intelligenz und Robotik verunsichern zusätzlich. Ausbildungsplätze im Pflegebereich sind beispielsweise für 2027 in einigen Regionen bereits ausgebucht.
Die psychische Situation der Jugendlichen ist alarmierend, was auch Volker Inholte, Jugendberufsberater im Emsland, bestätigt. Er beobachtet einen bemerkenswerten Anstieg psychischer Probleme unter Jugendlichen, die seine Hauptaufgabe, die Vermittlung in Jobs oder Ausbildungsplätze, zunehmend komplizierter gestalten. Soziale Ängste behindern viele junge Menschen darin, ins Berufsleben einzusteigen. Die neuen Herausforderungen sind beträchtlich: Fast kein Jugendlicher kann mehr allein telefonieren oder aktiv auf andere Menschen zugehen. Auch Ausbildungsbetriebe stehen vor der Herausforderung, neue Anreize zu schaffen, um Schulabgänger zu gewinnen.
Volkswirtschaftliche Auswirkungen
Die volkswirtschaftlichen Kosten psychischer Erkrankungen sind enorm. 2020 summierten sich die direkten Ausgaben im deutschen Gesundheitswesen auf 56,4 Milliarden Euro. Ein weiterer Bericht schätzt, dass die Gesamtkosten durch psychische Erkrankungen im Jahr 2015 rund 147 Milliarden Euro erreichten, was etwa 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Prognosen gehen sogar davon aus, dass pandemiebedingte psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen künftig Zusatzkosten von bis zu 328 Millionen Euro pro Jahr verursachen könnten. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass die jungen Generationen ernsthafte Probleme haben, mit Stress und Druck adäquat umzugehen.
Die Zukunft sieht also alles andere als rosig aus, was Quentin Gärtner, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, unterstreicht. Er und sein Team arbeiten eng mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln zusammen, um die ökonomische Bedeutung der psychischen Gesundheit von Schülern in den Fokus zu rücken. Die Situation der Jugendlichen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das umfassende Aufmerksamkeit erfordert.
Insgesamt bleibt festzuhalten: Die Herausforderungen, vor denen die Jugendlichen stehen, sind vielschichtig und verlangen sowohl von der Gesellschaft als auch von der Politik ein Umdenken. Es bleibt zu hoffen, dass die anstehenden Reformen und Programme der politischen Entscheidungsträger die dringend benötigte Unterstützung bieten können.




