In der ruhigen Gemeinde Ottendorf-Okrilla, im malerischen Sachsen, haben Archäologen auf dem Abbaufeld Würschnitz des Kiessandtagebaus bedeutende Funde gemacht. Seit Mitte August 2025 sind die Wissenschaftler vor Ort, um die archäologischen Schätze zu bergen, während ein neuer Abbauabschnitt erschlossen wird. Die Grabungen erstrecken sich über eine Fläche von 7,2 Hektar und haben bereits zehn Hügelgräber aus der Schnurkeramischen Kultur sowie ein weiteres Grab aus der Bronzezeit zu Tage gefördert.
Die Schnurkeramische Kultur, die zwischen etwa 2750 und 2200 v. Chr. blühte, ist bekannt für die charakteristischen Rillenmuster ihrer Keramiken, die mit gedrehter Schnur in feuchten Ton gedrückt wurden. Die Funde in Ottendorf-Okrilla sind besonders wertvoll, denn sie sind rund 4500 Jahre alt. Die Hügel der Gräber waren vor der Grabung noch sichtbar, was für solche Ausgrabungen recht selten ist. Bei der letzten Grabung im Jahr 2023 wurden ebenfalls Gräber gefunden, jedoch sind die aktuellen Funde besonders gut erhalten.
Besondere Bestattungsriten und reiche Grabbeigaben
Die Bestattungspraktiken dieser Zeit sind ebenso faszinierend wie die Funde selbst. Menschen wurden typischerweise in Hockerlage bestattet, wobei Männer rechts mit dem Kopf nach Westen und Frauen links mit dem Kopf nach Osten gelegt wurden. Die Gräber enthalten eine Vielzahl von Grabbeigaben, die auf den sozialen Status oder Reichtum der Bestatteten hindeuten. Jedes Grab, das bisher untersucht wurde, enthielt mindestens eine Amphore und einen Trinkbecher; in einem Grab wurden sogar zwei Amphoren und zwei Becher gefunden, was auf zwei Bestattete hinweist.
Besonders bemerkenswert sind die außergewöhnlichen Funde, die bei dieser Grabung gemacht wurden. In 50% der Gräber fanden die Archäologen Beile und in 60% Äxte, was als ungewöhnlich gilt. Zu den weiteren Funden gehören Schleifsteine, Feuerstein-Pfeilspitzen und ein Polierstein mit sehr glatter Oberfläche. Ein überraschender Fund war Kupferschmuck, darunter knapp 20 Kupferperlen, die wohl als Halsschmuck dienten. Diese Anzahl ist einzigartig, da in Sachsen nur drei schnurkeramische Gräber mit erhaltenem Kupferschmuck bekannt sind.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Entdeckungen im Kieswerk Ottendorf-Okrilla sind nicht nur für die Archäologie von großer Bedeutung, sondern auch für das Verständnis der frühen menschlichen Siedlungen in Sachsen. Diese Kultur erstreckte sich von der Ukraine bis zur Schweiz und dem Niederrhein. Während die Menschen zu dieser Zeit bereits sesshaft waren und Ackerbau sowie Viehzucht betrieben, sind dauerhafte Siedlungen nur selten erhalten geblieben.
Dr. Regina Smolnik, die Landesarchäologin, betont die Wichtigkeit systematischer archäologischer Untersuchungen, insbesondere im Vorfeld von Abbauvorhaben. Die letzte umfassende Untersuchung von Hügelgräbern dieser Epoche in Sachsen liegt über 40 Jahre zurück. Das Grabungsteam, bestehend aus sieben Mitgliedern unter der Leitung von Dr. des. Matthias Conrad, hat bis jetzt bedeutende Fortschritte gemacht und die Bedeutung dieser Gräber für die Region und die Archäologie insgesamt hervorgehoben.
Die archäologischen Ausgrabungen im Kieswerk Ottendorf-Okrilla sind nicht nur eine Chance, die Vergangenheit zu erkunden, sondern auch ein wichtiger Schritt für die Erhaltung unseres kulturellen Erbes. Interessierte Bürger können sich bei einem Pressetermin vor Ort informieren, um mehr über die spannenden Entdeckungen zu erfahren. Ansprechpartner sind Dr. des. Matthias Conrad, Dr. Saskia Kretschmer und Julia Schönfeld vom Kieswerk Ottendorf-Okrilla. Für weitere Informationen zu den Funden und zur Kultur der Schnurkeramik empfehlen wir einen Blick auf die ursprüngliche Quelle sowie die zweite Quelle und den Medienservice Sachsen.




