Im Herzen des Frankfurter Bahnhofsviertels ist das Laufhaus „Haus 42“ ein zentraler Anlaufpunkt für viele Prostituierte und ihre Kunden. Daniel, ein erfahrener Wirtschafter, koordiniert die Zimmervermietung und sorgt für die Sicherheit der Damen, die dort arbeiten. Mit einem Hintergrund als Türsteher hat er seinen Weg in diesen Job eher zufällig gefunden. Hygiene und korrekte Papiere der Prostituierten sind für ihn von größter Bedeutung, denn Alkohol- und Drogenabhängigkeit sowie Zwangsprostitution sind im „Haus 42“ nicht akzeptabel. Gelegentlich kommt es zu Problemen mit unangemessenen Gästen, die dann umgehend das Haus verlassen müssen. Notfalltelefone in den Zimmern leiten Anrufe im Problemfall direkt an Daniel weiter.
Die Klientel im Bahnhofsviertel hat sich jedoch in den letzten Jahren negativ verändert. Daniel beobachtet einen Anstieg von Junkies und Dealern in der Umgebung, was das Geschäft im Laufhaus erheblich beeinträchtigt. „Ich wünsche mir, dass die Politik mehr für das Bahnhofsviertel tut“, erklärt er, „das ist ein attraktives Viertel!“ Die gesetzliche Kondompflicht für die Gesundheit der Frauen ist für ihn ebenfalls ein wichtiges Thema, weshalb täglich Kondome an die Prostituierten ausgegeben werden. „Die Situation hat sich seit der Corona-Pandemie verändert; Laufhäuser sind leerer geworden, viele Prostituierte arbeiten jetzt in Hotels oder privat“, so Daniel weiter. Aktuelle Schätzungen zufolge sind noch rund 200 Frauen in den Laufhäusern des Bahnhofsviertels tätig.
Ein Wandel im Rotlichtmilieu
Die Veränderungen in der Prostitution sind nicht nur Daniel aufgefallen. Laura Wuttke, Geschäftsführerin des diakonischen PX Sozialwerks, berichtet ebenfalls von einem Rückgang der Laufhausbesuche. Beraterinnen des PX Sozialwerks unterstützen Frauen, die in Armut oder prekärer Prostitution leben. Die Organisation FIM – Frauenrecht ist Menschenrecht e.V. bietet soziale Unterstützung für Prostituierte im Bahnhofsviertel und hilft besonders dabei, ein selbstbestimmteres Leben zu führen.
Encarni Ramírez Vega von FIM merkt an, dass viele Zimmer in Laufhäusern unbesetzt bleiben und die Prostitution sich zunehmend in digitale Räume verlagert. Die Covid-Pandemie hat die Prostitution in Deutschland stark verändert, sodass viele Treffen jetzt online angebahnt werden. Der direkte Kontakt zu Frauen im Rotlichtmilieu wird schwieriger, da viele von ihnen häufig ihren Standort wechseln und seltener mit der Außenwelt kommunizieren. Beratungsstellen reagieren darauf, indem sie ihre Angebote verstärkt digital anbieten.
Die digitale Herausforderung
Die Digitalisierung hat auch dunkle Seiten. Eine Studie von 2022 zeigt, dass Menschenhändler das Internet nutzen, um Opfer zu rekrutieren und auszubeuten. Frauen aus Ländern wie Ungarn, Rumänien und Bulgarien werden über soziale Medien gezielt angesprochen, oft mit dem Versprechen von unrealistischen Gewinnmöglichkeiten. Das Bundeskriminalamt berichtet, dass im Jahr 2022 etwa ein Drittel der Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung aus diesen Ländern kamen. Trotz der Bemühungen, die Arbeitsbedingungen durch das Prostituiertenschutzgesetz von 2017 zu verbessern, bleibt die Aussagebereitschaft der Betroffenen für Ermittlungen ein zentrales Problem.
Insgesamt zeigt sich, dass das Bahnhofsviertel und das Rotlichtmilieu einem tiefgreifenden Wandel unterzogen sind. Die Herausforderungen sind vielfältig, und sowohl die Politik als auch soziale Organisationen sind gefordert, um den betroffenen Frauen Unterstützung zu bieten und die Bedingungen in der Branche zu verbessern. Es bleibt zu hoffen, dass das Bahnhofsviertel wieder zu einem sicheren und attraktiven Ort für alle wird, die dort arbeiten und leben.
Für weitere Informationen über die Situation im Bahnhofsviertel und die Herausforderungen in der Prostitution lesen Sie bitte die vollständigen Berichte auf stern.de, sueddeutsche.de und tagesschau.de.



