Die Zukunft des Kaufhauses am Rotkreuzplatz in München steht auf der Kippe. Galeria, die Muttergesellschaft, hat angekündigt, die Mietverträge für acht ihrer Standorte in Deutschland, darunter auch der Rotkreuzplatz, neu verhandeln zu wollen. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer angespannten Marktlage im Einzelhandel, die eine Vielzahl von Filialen in Gefahr bringt. Bei Nichterreichen einer Einigung mit den Vermietern könnten in naher Zukunft Schließungen drohen, wie bereits in anderen Städten wie Berlin und Köln zu beobachten ist (SZ, NW).
Die Gespräche über eine tragfähige Lösung sind bereits im Gange. Die betroffenen Filialen, die ebenfalls unter der schwierigen wirtschaftlichen Situation leiden, befinden sich nicht nur in München, sondern auch in Städten wie Berlin, Köln, Mannheim und Braunschweig. Philipp Kretzer, Chief Sales Officer von Galeria, betont, dass ein wirtschaftlich tragfähiges Modell Grundvoraussetzung für den Erhalt der Filialen ist. Sollte es zu Schließungen kommen, sind Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialpläne für die betroffenen Mitarbeiter angekündigt (NW).
Bauvorhaben am Rotkreuzplatz
Parallel zu den Verhandlungen plant der Grundstückseigentümer am Rotkreuzplatz ein umfangreiches Bauvorhaben. Geplant ist, das bestehende Warenhausgebäude im Untergeschoss und Erdgeschoss zu erhalten und zu ertüchtigen, während die Obergeschosse abgerissen und durch höhere Neubauten ersetzt werden sollen. Zudem soll ein kleines Hochhaus mit Büros und einem Hotel entstehen, das direkt zum Rotkreuzplatz hin ausgerichtet ist. Dieses Bauvorhaben wird derzeit von der Lokalbaukommission geprüft, während die Stadtgestaltungskommission die Integration des Hochhauses in die Umgebung bewertet (SZ).
Die OFB Projektentwicklung, Tochtergesellschaft der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), ist seit 2024 Eigentümer des Grundstücks und plant eine intensivere Bebauung, um den Ertrag des Grundstücks zu steigern. Es liegen bereits drei Planungsvarianten für das Hochhaus vor, dessen Höhe zwischen 30,5 und 36,7 Metern variieren soll. Der Zeitpunkt der Realisierung bleibt jedoch unklar, da das Bauvorhaben noch in einem frühen Stadium steckt (SZ).
Marktsituation im Einzelhandel
Die aktuelle Situation im Einzelhandel ist von Unsicherheiten geprägt. Galeria hat kürzlich zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet und musste bereits neun Häuser schließen. Mit rund 83 Warenhäusern in Deutschland und etwa 12.000 Beschäftigten ist die Kette ein bedeutender Akteur im Einzelhandel, der sich nun in einem intensiven Wettbewerb um die besten Standorte befindet. Trotz eines Anstiegs des Flächenumsatzes für Einzelhandelsflächen um 8,6% im vergangenen Jahr und einer hohen Nachfrage nach innerstädtischen Lagen, sind die Prognosen für 2026 eher pessimistisch und deuten auf bevorstehende Korrekturen hin, insbesondere in Städten wie Berlin und Nürnberg (JLL).
In München sind die Spitzenrenditen derzeit am niedrigsten, was die Stadt zu einem attraktiven Standort macht, jedoch bleibt die Unsicherheit über die künftige Entwicklung im Einzelhandel bestehen. Die kommenden Monate könnten entscheidend dafür sein, wie sich die Situation am Rotkreuzplatz und in anderen betroffenen Filialen entwickeln wird.