Heute ist der 28.02.2026 und wir schauen auf die aktuelle Situation im größten Neubaugebiet Europas, Freiham, am westlichen Ende von München. Hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan, aber auch viele Fragen sind offen geblieben. Laura, 30 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern, zog vor drei Jahren mit ihrer Familie nach Freiham, weil die Mieten hier günstig sind. Doch trotz dieser positiven Aspekte äußert sie Bedenken über die fehlende Infrastruktur: Es gibt keinen U-Bahn-Anschluss, keine Stadtbibliothek, kein Kulturzentrum und keine Treffräume, was das Leben für die Anwohner erschwert. Morgens sind die Straßen oft verstopft, und der Verkehr wird zunehmend zum Problem.
Diese Bedenken werden auch von Sebastian Kriesel, dem Vorsitzenden des Bezirksausschusses, und Nikolaus Gradl, einem Stadtrat der CSU, geteilt. Sie kritisieren die ungenutzte Infrastruktur in Freiham, wo beispielsweise die Vereinsgaststätte am Sportcampus an der Hans-Dietrich-Genscher-Allee, die 5,5 Millionen Euro gekostet hat, seit ihrer Fertigstellung im Jahr 2020 leer steht. Das Sportreferat hat zwar erklärt, dass diese Gaststätte von Vereinen für Veranstaltungen genutzt werden könnte, aber die notwendigen Tische und Stühle fehlen.
Geplante Entwicklungen und Herausforderungen
Das Neubauprojekt in Freiham geht in die zweite Runde. Geplant sind insgesamt 10.600 Wohnungen, von denen 4.400 im ersten und 6.200 im zweiten Realisierungsabschnitt errichtet werden sollen. Der zweite Abschnitt erstreckt sich zwischen Aubing und der A99, wo derzeit Brachflächen vorhanden sind. Doch die Bürger sind besorgt über die Infrastruktur und die soziale Betreuung, die in diesem schnell wachsenden Viertel notwendig sind. Sebastian Kriesel kritisiert die frühzeitige Planung des zweiten Abschnitts und warnt vor „vorprogrammierten Konflikten“ im Verkehr.
Zusätzlich gibt es einen immensen Nachholbedarf bei der Sozialstruktur und Betreuung. Es wird gefordert, dass die Fertigstellung der U-Bahn-Linie U5 parallel zur Bebauung erfolgt, doch die Finanzierungsgrundlage dafür fehlt bislang. Die geplante Infrastruktur umfasst 12 Kitas, 2 Grundschulen, 1 Mittelschule und 1 Gymnasium oder Berufsschule, die dringend benötigt werden, um den neuen Bewohnern ein angemessenes Umfeld zu bieten.
Freiham als Modellstadt 2030
Freiham wird als „Modellstadt 2030“ konzipiert, mit einem besonderen Fokus auf Fuß- und Radverkehr. Das Mobilitätskonzept umfasst 22 Maßnahmen, darunter 14 Quartiersgaragen. Die Baugrundstücke sollen nur zu 40% versiegelt werden, und in den Innenhöfen ist Platz für große Bäume eingeplant. Ein Landschaftspark, der 2027 angelegt und 2028 nutzbar sein soll, wird ebenfalls zur Attraktivität des Stadtteils beitragen. Die U-Bahn-Verlängerung der U5 bis nach Freiham ist ein politischer Wille, und die Fertigstellung wird erwartet.
Doch trotz der ambitionierten Pläne gibt es auch Herausforderungen: In Freiham stehen derzeit 96 Wohnungen leer, die ursprünglich für Mangelberufe wie Pfleger und Erzieher vorgesehen waren. Der Grundstücksverkauf in Erbpacht im Jahr 2019 und die Fertigstellung der Wohnanlage im Herbst 2025 haben nicht dazu geführt, dass diese Wohnungen bezogen werden. Laura bemerkt, dass, trotz einiger positiver Aspekte, viele Versprechen nicht eingehalten wurden.
Insgesamt spiegelt die Situation in Freiham die Herausforderungen wider, mit denen viele Neubaugebiete in Städten konfrontiert sind: Die Balance zwischen schnellem Wachstum und der Schaffung einer funktionierenden sozialen Infrastruktur bleibt ein zentrales Thema. Wie sich Freiham in den kommenden Jahren entwickeln wird, bleibt abzuwarten, doch die Anwohner hoffen auf Verbesserungen. Weitere Informationen und Details zu den aktuellen Entwicklungen finden Sie in den Artikeln von Abendzeitung und Süddeutscher Zeitung.