In Freiham, dem größten Neubaugebiet Europas, kommt es immer wieder zu Diskussionen über die noch ausstehende Infrastruktur. Laura, eine 30-jährige Münchnerin, die vor drei Jahren mit ihrer Familie in die aufstrebende Gegend gezogen ist, hat in ihrer neuen Nachbarschaft viel Gutes entdeckt. Besonders erfreulich für sie war die günstige Miete, die sie hier offeriert bekommt. Doch die Mängel sind nicht zu übersehen: „Die Verkehrsanbindung könnte besser sein, und es fehlt an Treffpunkten für die Nachbarn“, äußert Laura ihre Bedenken. Zudem ist der Weg zur Arbeit oft von Staus geprägt.
Die Kritik am Leerstand und an der ungenutzten Infrastruktur wird von lokalen Politikern lautstark artikuliert. Die Abendzeitung berichtet, dass die Vereinsgaststätte im neu errichteten Sportcampus an der Hans-Dietrich-Genscher-Allee für stolze 5,5 Millionen Euro gebaut wurde, jedoch seit ihrer Fertigstellung im Jahr 2020 ungenutzt bleibt. Laut dem Sportreferat könnte die Anlage zwar von Vereinen für Veranstaltungen genutzt werden, doch es mangelt an grundlegenden Einrichtungen wie Tischen und Stühlen.
Infrastruktur unter Beschuss
Besonders Sebastian Kriesel, der Bezirksausschuss-Chef, und Stadtrat Nikolaus Gradl von der CSU machen sich für die Belange der Bewohner stark. Sie kritisieren die ungenutzte Infrastruktur, die nicht nur den Sportcampus betrifft. Eine Straße, die von der Aubinger Allee zur Autobahn führen sollte, wurde vor zwei Jahren fertiggestellt, darf allerdings nur von Baustellenfahrzeugen befahren werden. Diese Straße hat die Stadt 1,5 Millionen Euro gekostet und soll 2026 umgebaut werden. Langfristig macht sich Unmut breit über den Umstand, dass der Wohnraum in Freiham – etwa 96 Wohnungen sind bereits leer – bisher nicht den bedarfsgerechten Wohnungsmarkt bedient, insbesondere für soziale Berufe wie Pfleger oder Erzieher.
Der zweite Bauabschnitt von Freiham sieht weitere 6.200 Wohnungen vor, nachdem im ersten Abschnitt bereits 4.400 Einheiten entstanden sind. Die Süddeutsche hebt hervor, dass die Planung des zweiten Abschnitts neben dem bestehenden Widerstand in der Nachbarschaft auf heftige Bedenken stößt, insbesondere hinsichtlich der unzureichenden sozialen Betreuung und der Infrastruktur.
Die Zukunft von Freiham
Ein ambitioniertes Mobilitätskonzept soll dafür sorgen, dass Freiham als „Modellstadt 2030“ gilt. Metropolidas Leben verspricht ein Netzwerk von Fuß- und Radverkehr sowie eine Unterstützung für den ÖPNV, sporadische Fortschritte in der Verkehrsanbindung sind dringend notwendig. Um der zukünftigen Bevölkerung von 16.000 Menschen gerecht zu werden, sind unter anderem 12 Kitas und 2 Grundschulen geplant. Auch eine U-Bahn-Verlängerung der Linie U5 wird in Aussicht gestellt, obwohl die Finanzierung bisher ungewiss bleibt.
Die Stadtbaurätin Elisabeth Merk bezeichnet maßgebliche Entwicklungen in Freiham als ein „Generationenwerk“, doch Kritiker wie Kriesel sind sich sicher, dass es noch viel Bedarf an Anpassungen und Verbesserungen gibt, bevor Freiham mit den beliebten Vierteln wie Schwabing oder Haidhausen konkurrieren kann. Abgesehen von den strukturellen Herausforderungen bleibt das Bild des Neubaugebiets gespalten und weitgehend unvollständig.