In der Maxvorstadt, einem der lebhaftesten Stadtteile Münchens, regt sich Widerstand gegen die geplanten Umbaumaßnahmen der Augustenstraße. Der Umbau, der am Montag, den 9. März, begonnen hat, sorgt für massiven Protest unter den Geschäftsinhabern und Anwohnern. Eine Umfrage im Rahmen der Bürgerinitiative „Liebe zur Augustenstraße“ zeigt, dass 95 Prozent der befragten Betriebe das sieben Millionen Euro teure Projekt ablehnen. Peter Büscher, Geschäftsinhaber und aktives Mitglied der Initiative, äußert seine Bedenken über die Auswirkungen auf alteingesessene Geschäfte in dieser Versorgungsstraße, die stark auf den Autoverkehr angewiesen ist. Auch Anwohner wie Sittig Fahr-Becker fühlen sich bei den Planungen übergangen und nicht ausreichend gehört.
Die Umgestaltung umfasst den Bereich zwischen der Dachauer und der Görresstraße mit einer geplanten Fertigstellung bis Ende 2027. Der erste Bauabschnitt konzentriert sich auf die Arbeiten zwischen der Theresien- und der Gabelsbergerstraße. Die Zielsetzung des Projekts ist ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich, der den Rückbau des Radwegs und die Verbreiterung der Gehbahn beinhaltet. Radfahrer sollen künftig auf der verengten Fahrbahn fahren, während zahlreiche Parkplätze für Autos wegfallen. Die Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer verspricht mehr Verkehrssicherheit und eine höhere Aufenthaltsqualität. Doch die Realität sieht anders aus: Die Geschäftsinhaber befürchten einen Rückgang ihrer Kundschaft durch die Parkplatzreduktion.
Proteste und Forderungen
Die Bürgerinitiative und der Bund Münchner Bürgerinitiativen (BMBI) fordern einen verbindlichen Dialog mit den Geschäftsinhabern vor weiteren Planungsschritten. Die Umfrageergebnisse verdeutlichen die ablehnende Haltung: 63 Prozent der 19 befragten Betriebe sind klar gegen den Umbau, während 32 Prozent eher dagegen sind und nur 5 Prozent dafür. Tamara Leitner von „City Dry Clean“ und der Friseursalon „Hairstyling Paradiso“ berichten von einem spürbaren Kundenrückgang und Baustellenlärm, der die Geschäfte zusätzlich belastet. Tobias Ehrler, Geschäftsführer eines Sanitär-Fachhandels, hat mit Problemen aufgrund zu kleiner Lieferzonen zu kämpfen. Margarethe Stadlbauer, Vize-Vorsitzende des BMBI, hebt die lange Tradition vieler Betriebe in der Augustenstraße hervor und fordert sofortige Beteiligung an den Planungen.
Einbindung der Stadtgesellschaft
Der Umbau der Augustenstraße steht im Kontext des neuen Stadtentwicklungsplans (STEP), der durch einen breit angelegten Beteiligungsprozess entwickelt wurde. Die Stadtverwaltung hatte die gesamte Münchener Gesellschaft eingeladen, ihre Perspektiven einzubringen. Dabei fanden zwei Online-Dialoge statt, in denen Bürger Rückmeldungen zu den Handlungsfeldern und Zielen des STEP geben konnten. Der Abschluss des Prozesses, die „München plant die Zukunft – Konferenz der Stadtmacher*innen“, bot die Möglichkeit, die Ideen und Vorschläge zu diskutieren und zu konzipieren. Dennoch bleibt der Eindruck, dass bei der Umgestaltung der Augustenstraße die Stimmen der betroffenen Geschäftsinhaber und Anwohner nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Die Situation in der Maxvorstadt verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen viele Stadtteile stehen, wenn es um die Balance zwischen Verkehrssicherheit, Aufenthaltsqualität und den Bedürfnissen der ansässigen Geschäfte geht. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Stadtverwaltung bereit ist, den Dialog mit den Betroffenen zu intensivieren und den Umbau im Sinne der gesamten Gemeinschaft zu gestalten. Weitere Informationen zu den Protesten und Entwicklungen finden Sie in dem Artikel auf tz.de und merkur.de.