Die Augustenstraße in München steht inmitten eines günstigen, aber turbulenten Umbaus, der bei den Anliegern und Geschäftsinhabern für großen Unmut sorgt. Seit Montag, dem 9. März, hat das Baureferat mit den Arbeiten für die Umgestaltung begonnen, doch 95 Prozent der von der Bürgerinitiative „Liebe zur Augustenstraße“ und dem Bund Münchner Bürgerinitiativen (BMBI) befragten Betriebe konnten mit den Planungen nicht zunächst nicht viele anfangen. Stattdessen gehen die Stimmen der Protestierenden deutlich gegen den Umbau, der das Ziel hat, einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich zu schaffen.
Die Umfrageergebnisse sprechen für sich: Von 19 befragten Betrieben lehnen 63 Prozent den Umbau klar ab, 32 Prozent sind eher dagegen, nur 5 Prozent unterstützen die Maßnahmen, während sich einige Betriebe enthalten. Peter Büscher, ein betroffener Geschäftsinhaber, deckt auf, dass die Augustenstraße eine zentrale Versorgungsstraße ist, die auf autofreie Zonen angewiesen ist. Dies könnte demnach einer der größten Motoren des Protests sein, denn die Ablehnung legt die Sorgen der Geschäftstreibenden offen, die um ihre Existenz fürchten.
Planungen und Bedenken
Die ambitionierte Umgestaltung, die über sieben Millionen Euro kosten soll, sieht eine Verbreiterung der Gehbahn, neue Bäume, Sitzmöbel, Freischankflächen und Radlparkplätze vor. Zu den separierten Radwegen soll zudem der Radverkehr auf die Straße verlagert werden, die dadurch verengt wird. Allerdings werden auch viele Parkplätze für Autos wegfallen, was bei den Geschäftsinhabern auf wenig Begeisterung stößt. Die Inhaberin des Friseursalons „Hairstyling Paradiso“ hat bereits mit der Folgen des Baustellenlärms zu kämpfen und registriert sinkende Kundenzahlen, während der Geschäftsführer des Sanitär-Fachhandels Tobias Ehrler Probleme mit zu kleinen Lieferzonen hat.
Ebenfalls sind die Anwohner unzufrieden; Herr Sittig Fahr-Becker äußert, dass er sich bei den Planungen übergangen fühlt. Gemeinsam bringen die Kritikenden ihre Besorgnis vor: Das Baureferat müsse mehr Dialog anbieten und die Ansichten der Anlieger stärker einbeziehen. In einem gemeinsamen Vorstoß fordern BMBI und die Bürgerinitiative „Liebe zur Augustenstraße“ einen verbindlichen Dialog, bevor mit den weiteren Planungsschritten fortgefahren wird.
Zukunftsplanung und Stadtentwicklung
Das aktuelle Projekt fügt sich in den Rahmen des neuen Stadtentwicklungsplans (STEP) ein, der durch einen breit angelegten Beteiligungsprozess bisher breiter genutzt wurde. Dabei hatte die Münchener Stadtgesellschaft die Möglichkeit, Perspektiven einzubringen, um den Umbau mitzugestalten. Es wurde ein Online-Dialog organisiert, um Rückmeldungen zu verschiedenen Handlungsfeldern und Zielen zu erhalten. Der letzte Dialog fand von 21. März bis 15. April 2022 statt, und das Ergebnis wurde in der Konferenz „München plant die Zukunft – Konferenz der Stadtmacher*innen“ im Juli vorgestellt. Dabei sollte die Stadtverwaltung aus den Vorschlägen der Bevölkerung lernen und diese in Planungsschritte miteinbeziehen.München mitdenken berichtet, dass der Prozess allerdings nicht repräsentativ war, sondern eine Basis für die zukünftige Stadtentwicklung schaffen sollte.
Für viele Münchnerinnen und Münchner ist es eine spannende Zeit, doch die Meinungen sind gespalten. Das Gelingen dieses Umbaus wird nicht nur von der damaligen Planung abhängen, sondern auch davon, wie gut die Stadtverwaltung auf die Sorgen und Anliegen der Betroffenen eingeht. Immerhin sind der Erhalt von Tradition und die wirtschaftliche Stabilität in der Augustenstraße ein Grundpfeiler der Stadtentwicklung, der auch in Zukunft nicht vergessen werden sollte. Die tz hebt hervor, dass der Dialog mit den Betroffenen jetzt essentiell wird, um eine Lösung zu finden, die für alle tragbar ist und das kaufmännische Leben in der Straße nicht gefährdet.