Am Mittwoch, den 22. April 2026, verwandelt sich das Lyrik Kabinett in München zu einem Ort der bewegenden Stimmen und Geschichten. Ab 18:00 Uhr erwartet die Besucher das Literaturfest München 2026, das unter dem Motto „Stimmen der Freiheit“ steht. Diese Veranstaltung verspricht nicht nur interessante Einblicke in das Leben und Schaffen von drei außergewöhnlichen Persönlichkeiten, sondern thematisiert auch die Herausforderungen, mit denen Literat:innen im Exil konfrontiert sind.

Moderiert wird der Abend von der renommierten Journalistin und Redakteurin Elke Schmitter. An ihrer Seite Dolmetscherin Seray Erbasi, die aus dem Türkischen übersetzt. Besonders erhalten die Besucher die Möglichkeit, mit den Stimmen der Referenten zu den Themen Gefängnis, Flucht und politisches Exil in Berührung zu kommen, die in der Literatur eine bedeutende Rolle spielen. Der Eintritt kostet 16 Euro bzw. 10 Euro für ermäßigte Karten. Die Veranstaltungssprache ist Englisch, und Texte werden in deutscher Projektion angezeigt.

Die Referenten und ihre Schicksale

Die drei Referenten dieser Veranstaltung könnten unterschiedlicher nicht sein, verbinden aber ähnliche Schicksale:

  • Yirgalem Fisseha Mebrahtu (Jahrgang 1981): Diese eritreische Journalistin und Dichterin wurde sechs Jahre lang im Militärgefängnis Mai Serwa ohne Anklage oder Prozess festgehalten. Ihre Flucht aus Eritrea im Jahr 2018 brachte sie nach München, wo sie mit dem Bayerischen Kunstförderpreis für Literatur 2023 ausgezeichnet wurde. Ihr Werk „Ich bin am Leben“ zeigt eindrücklich ihren Überlebenswillen.
  • Yassin Al-Haj Saleh (Jahrgang 1961): Der syrische Autor, der auch als Mediziner tätig war, kämpfte für die Freiheit und wurde dafür 1980 festgenommen. Sein Schicksal führte ihn zu 16 Jahren inhaftiert in verschiedenen Gefängnissen, wovon das bekannteste das berüchtigte Gefängnis von Tadmur ist. Seine Essays, unter anderem „Hannah Arendt in Syrien“, beleuchten Aspekte des Bösen, die aus seiner eigenen Biografie resultieren.
  • Meral Simsek (Jahrgang 1980): Diese türkisch-kurdische Dichterin wurde 2021 wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ angeklagt. Ihre Flucht nach Deutschland im Juli 2022 geschah in letzter Minute, zwei Tage vor ihrem Prozesstermin. Beim Literaturfest wird sie Gedichte unter dem Titel „Songs of Freedom“ präsentieren, speziell für diesen Anlass komponiert und aufgeführt zusammen mit zwei Musikerinnen.

Literatur als Widerstand

Ein zentrales Thema des Abends wird die Rolle der Literatur als Zeugnis, Widerstand und Selbstbehauptung sein. Die Veranstaltung widmet sich existenziellen Freiheitsfragen und beleuchtet, wie gefährliche Worte die Realität herausfordern können. Impulse zu den Themen werden unter anderem erörtert: Der Einfluss von Haft auf Denken, Sprache und Erinnerung, sowie das Finden einer neuen Öffentlichkeit im Exil. In einer Zeit, in der der Verlust von Freiheit und Identität oft an der Tagesordnung steht, können die Geschichten und Gedichte der Referenten auf eindringliche Weise aufzeigen, wie kreatives Schaffen im Angesicht von Unterdrückung zu einem Akt des Widerstands wird.

Die Bedeutung der Exilliteratur zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, seit dem 19. Jahrhundert und besonders verstärkt seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Schriftsteller wie Thomas Mann und Bertolt Brecht fanden im Exil neue Ausdrucksformen, um gegen Unterdrückung und Zensur zu kämpfen. Dieses Erbe fortzuführen und zu untersuchen, ist auch das Anliegen des Literaturfestes. Es erinnert daran, dass Literatur ein Medium ist, das nicht nur unterhält, sondern auch ermutigt und verbindet.

Wir laden alle Interessierten ein, diesen Abend zu besuchen und Teil einer wichtigen Diskussion zu werden, die nicht nur Vergangenheit, sondern auch Gegenwart und Zukunft betrifft. Lassen Sie sich inspirieren von den Stimmen der Freiheit.