Am Donnerstagmittag entfaltete sich im Münchener Stadtteil Hadern ein großes Polizei-Szenario, das allen Anwohnern mächtig den Atem stocken ließ. Als eine Anwohnerin eine Nachbarin mit einem „pistolenähnlichen Gegenstand“ im Treppenhaus erblickte, alarmierte sie sofort die Polizei. Daraufhin rückten 15 Streifenwagen rasch zum Stiftsbogen aus, und die Beamten erschienen in schweren Schutzwesten und Helmen, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Ihr Einsatzgerichtete: die vermeintlich Bewaffnete, eine 53-jährige Frau.
Es war ein spannungsgeladenes Bild: Beamte positionierten sich präpariert vor der Wohnung der Frau und warteten auf eine Klärung der Lage. Das Warten hatte schließlich ein Ende, als die Frau selbstständig aus der Wohnung kam. Die Durchsuchung ergab, dass sie keine Feuerwaffe, sondern eine Reizgaspistole mit der entsprechenden Kartusche sowie mehrere Pfeffersprays in ihrer Wohnung aufbewahrte. Laut Berichten der Süddeutschen Zeitung wirkte sie psychisch auffällig und erregte damit die Besorgnis der Einsatzkräfte.
Psyche im Fokus
Wie ein roter Faden ziehen sich derartige Einsätze durch aktuelle Polizeimeldungen. Angesichts der Tatsache, dass seit 2019 in Deutschland 37 Menschen in psychischen Krisen durch Polizeigewalt ihr Leben verloren, sollten solche Vorfälle auch bei den Münchener Beamten für Sorgenfalten sorgen. Experten fordern bereits längst eine umfassende Schulung für die Ordnungshüter im Umgang mit psychisch Erkrankten. Oft jedoch fehlt es an Geld und Personal, um diese Schulungen umzusetzen, wie Tagesschau berichtet.
Besonders tragisch wurde es im Fall von Oisín, einem irischen Flugzeug-Ingenieur, der von der Polizei in Hamburg erschossen wurde, als seine psychische Belastung nach der Geburt seines Kindes überhand nahm. Er sei anscheinend mit einem Küchenmesser auf die Beamten zugelaufen, was zu seiner fatalen Schießerei führte. Diese und ähnliche Vorfälle verdeutlichen die Dringlichkeit, die Ausbildung und das Verständnis im Umgang mit psychisch angeschlagenen Menschen zu verbessern, sei es hier in München oder bundesweit, wie auch Panorama 3 anmerkt.
Folgen für die Betroffene
Trotz der psychischen Auffälligkeiten der Frau in Hadern entschied das Gesundheitsreferat der Stadt, sie nicht in eine psychiatrische Klinik einzuweisen, und die Frau wurde wieder entlassen. Sie sieht sich nun jedoch echten rechtlichen Konsequenzen gegenüber: Es stehen Anzeigen wegen Bedrohung und Verstoßes gegen das Waffengesetz bevor. Hier zeigt sich erneut das Dilemma: Wie geht die Gesellschaft mit denjenigen um, die an den Rändern der psychischen Gesundheit wandeln? Es bleibt abzuwarten, ob sich die Behörden hier weiter sensibilisieren werden, um ähnliche tragische Vorfälle zu verhindern.