Am 10. März 2026 hat die Deutsche Bahn ein Storchennest bei Ebersberg entfernt. Diese Entscheidung sorgte für viel Aufsehen und führte zu Protesten von Naturschützern. Trotz heftiger Widerstände bestätigten die Behörden, dass Sicherheitsbedenken der Hauptgrund für die Maßnahme waren. Um kurz nach neun Uhr begaben sich Monteure mit Seilsicherung und in auffälliger orangefarbener Kleidung an den Mast, auf dem das Nest ruhte.

Vor der Entfernung waren sogar vier Störche zu sehen – zwei im Nest und zwei in der Luft. Die DB hatte eine Ausnahmegenehmigung von der höheren Naturschutzbehörde in Oberbayern erhalten, die es erlaubte, das Nest zu beseitigen. Wichtig zu wissen: Die Genehmigung sieht vor, dass bis Ende Februar 2027 eine „Ersatznisthilfe“ geschaffen wird. Glücklicherweise waren zu diesem Zeitpunkt keine Eier oder Jungtiere im Nest, was die Entscheidung der Arbeiter der DB rechtfertigte.

Die Umstände der Nestentfernung

Die Bezirksregierung gab bekannt, dass die Anfrage zur Nestentfernung Mitte Februar gestellt und genehmigt wurde. Der Mast war Teil einer 110-Kilovolt-Bahnstromleitung und stellte erhebliche Gefahren für die Bahninfrastruktur dar. Überraschenderweise hatte die DB kein Interesse an einer Umsiedlung der Störche, obwohl Alternativstandorte angeboten wurden. Der Ebersberger 2. Bürgermeister, Günter Obergrusberger, erläuterte, dass die Stadt über den Zeitpunkt der Nestbeseitigung nicht informiert wurde, was auf mangelnde Kommunikation hinweist.

Richard Straub vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz kritisierte die Entscheidung der DB scharf und stellte die fehlende Kooperation in Frage. Hier zeigt sich, dass der Schutz der Natur vor den Interessen der Infrastruktur oft in den Hintergrund gedrängt wird.

Neuer Horst im Bichl

Die umfangreiche Sanierung der 35 Kilometer langen Bahnstrecke inklusive der Erneuerung von Masten aus den 1930ern erforderte die Installation von fast 600 neuen Masten, um eine zuverlässige Stromversorgung der Bahn sicherzustellen. Um die Brutzeiten der Störche nicht zu stören, wurden die Bauzeiten entsprechend angepasst, was den Arbeitern viel Planungssinn abverlangte. Besonderes Augenmerk wurde auch auf den Schutz der Störche gelegt, da sie in Deutschland streng geschützt sind und jährlich an denselben Brutplatz zurückkehren.

Die Gründung des neuen Storchenmasts stellte eine besondere Herausforderung dar, da die Bahnstrecke teilweise durch Moorland verläuft. Innovative Micro-Pfähle wurden in den Untergrund eingebracht, um dem neuen Horst sicheren Halt zu geben. Das gesamte Projekt erhöhte die Kosten auf rund 40.000 Euro – ein erfinderisches Bemühen, den Störchen ein neues Zuhause zu ermöglichen.

Die Region rund um Bichl und Benediktbeuern bietet durch die Loisach-Kochelsee-Moore einen wertvollen Lebensraum für Weißstörche. Um sie vor Stromschlägen zu schützen, wurden an den Oberleitungen spezielle Vogelschutzmarker angebracht. So bleibt zu hoffen, dass die Störche schnell ein neues Zuhause finden und zukünftige Generationen diese eindrucksvollen Vögel weiterhin in der Region bewundern können.

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie direkt bei der Deutschen Bahn sowie bei der Merkur und der Süddeutschen Zeitung.