In München ist der 4. März 2026 ein ganz besonderer Tag, denn er markiert den 100. Geburtstag von Walter Sedlmayr, einem der bekanntesten Fastenprediger der bayerischen Geschichte. Anlässlich dieses Jubiläums wird an seine legendäre Nockherberg-Rede von 1983 erinnert, die nicht nur für ihre Schärfe bekannt war, sondern auch für ihren Witz. Sedlmayr, der als Bruder Barnabas auftrat, begrüßte die Politprominenz mit dem einprägsamen Satz „Sehr verehrte Verbrecher“, was im Publikum für lautes Gelächter sorgte. Diese Eröffnungsworte sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Provokationen, die die Rede prägten.
In seiner Rede ließ Sedlmayr kein gutes Haar an den Politikern und verwendete Bezeichnungen wie „Werte Lügner und Lügnerinnen“, „blutige Stümper“ und „Brandstifter“. Diese Begriffe spiegelten die hitzigen Auseinandersetzungen der damaligen politischen Landschaft wider, wobei Sedlmayr auch den Begriff „Ehrenwerte Erpresser“ und „Klimaverpester“ in die Runde warf. Zu den Zuhörern gehörten bedeutende Persönlichkeiten wie Franz Josef Strauß, Hans-Dietrich Genscher und Edmund Stoiber, die sich nicht nur amüsierten, sondern auch nachdenklich wurden. Die Rede wurde als Generalabrechnung durch die Parteienlandschaft wahrgenommen und viele Zuschauer äußern heute den Wunsch nach einer Rückkehr zu solchen scharfen Worten.
Die Kunst des Derbleckens
Walter Sedlmayr war von 1982 bis 1990 der Fastenprediger bei der Starkbierprobe am Nockherberg, einer Tradition, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Seine zweite Rede im Jahr 1983 gilt als einer seiner größten Erfolge. Hannes Burger unterstützte Sedlmayr und war maßgeblich daran beteiligt, die Reden bis 2003 weiter zu schreiben. Die Starkbierprobe wird von der Paulaner Brauerei ausgerichtet und zieht jedes Jahr zahlreiche Zuschauer an, die sich auf die scharfen Worte der Fastenprediger freuen.
Die Fastenpredigt selbst ist ein fester Bestandteil der Veranstaltung, bei der eine bekannte Persönlichkeit aus der bayerischen Kabarettszene spricht. Die Auswahl des Fastenpredigers erfolgt jährlich durch die Veranstalter, und die ersten Fastenreden wurden bereits 1891 von Jakob „Papa“ Geis gehalten. Sedlmayrs Begrüßung, die aus Schimpfwörtern bestand, die Politiker sich gegenseitig an den Kopf warfen, sorgte für große Heiterkeit im Publikum. Zu den prominenten Gästen zählten nicht nur Politiker, sondern auch zahlreiche hochgestellte Persönlichkeiten, darunter Bundesminister und Präsidenten bayerischer Kammern und Verbände.
Ein Blick auf die Tradition
Die Tradition des Derbleckens, bei der sich der Fastenprediger oft als Mönch verkleidet, ist ein fester Bestandteil der Starkbierprobe. Diese Verkleidung ist jedoch nicht verpflichtend, was in der Vergangenheit zu verschiedenen Interpretationen führte. So legte beispielsweise Maximilian Schafroth, der von 2019 bis 2025 als Fastenprediger wirkte, die Verkleidung ab und bezeichnete sich einfach als Fastenredner. Auch Luise Kinseher wurde in ihrer Rolle als „Mama Bavaria“ sehr beliebt.
Die Liste der Fastenprediger ist lang und reicht von Jakob Geis über Walter Sedlmayr bis hin zu aktuellen Vertretern wie Stephan Zinner, der 2026 die Nachfolge von Maximilian Schafroth antreten wird. Die Fastenpredigt bleibt ein bayerisches Kulturgut, das auch nach vielen Jahren nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Es bleibt abzuwarten, welche Themen und Provokationen die kommenden Fastenprediger in die bayerische Politik einbringen werden, aber die Wurzeln und der Geist von Walter Sedlmayr leben weiter.
Für weitere Informationen über Walter Sedlmayr und seine legendären Reden können Sie den Artikel auf Merkur nachlesen, oder einen Blick auf die BR-Website werfen, um mehr über die Tradition der Fastenpredigten zu erfahren. Eine Übersicht über alle Fastenprediger finden Sie ebenfalls auf der Augsburger Allgemeinen.