In den Maximiliansanlagen, einem der schönsten Parks Münchens, wird derzeit ein spannendes Projekt zur Wiederherstellung der Baumvielfalt umgesetzt. Die Bayerische Schlösserverwaltung hat beschlossen, nach dem schmerzlichen Verlust von zwei historischen Eschen, die dem Eschentriebsterben zum Opfer fielen, mit Nachpflanzungen zu beginnen. Diese Eschen sind seit über 150 Jahren ein Teil der von Hofgärtner Carl von Effner gestalteten Anlagen und deren Verlust hat nicht nur die Landschaft, sondern auch das ökologische Gleichgewicht der Umgebung beeinflusst.
Um die historische Artenvielfalt zurückzubringen und zugleich klimaangepasste Sorten zu verwenden, pflanzen Gärtnerinnen und Gärtner des Englischen Gartens nun junge schmalblättrige Eschen (Fraxinus angustifolia) in die alten Baumstümpfe. Diese robusten Bäume sind hitzeresistent, frosthart und weniger anfällig für das Eschentriebsterben. Bevor die jungen Eschen gesetzt werden konnten, wurde in die Stümpfe ein Hohlraum gefräst, Drainageöffnungen angelegt und die Vertiefungen mit einer speziellen Komposterde-Mischung gefüllt. Eine schützende Laubschicht sorgt dafür, dass die Bodenfeuchte optimal reguliert wird. Diese Maßnahme symbolisiert das Zusammenspiel von Vergänglichem und Neuem in der Natur und wird im Frühjahr zum ersten Mal in den Maximiliananlagen blühen.
Forschung für eine resiliente Zukunft
Doch die Nachpflanzungen sind nur ein Teil der Lösung im Kampf gegen das Eschentriebsterben, das seit etwa 20 Jahren in Deutschland beobachtet wird. Der Erreger, ein Pilz namens Falsches Weiße Stängelbecherchen, wurde aus dem Fernen Osten nach Europa eingeschleppt und bedroht die Gemeine Esche, eine häufige Laubbaumart in Deutschland. Genetische Untersuchungen zeigen, dass nur zwei Haplotypen ursprünglich eingeführt wurden, und in den letzten Jahren wurde viel Forschung betrieben, um widerstandsfähige Eschen zu identifizieren und zu züchten.
Ein bedeutendes Forschungsvorhaben, bekannt als FraxForFuture, hat in diesem Zusammenhang große Fortschritte gemacht. Sechs Forschungsverbünde arbeiten eng mit der Forstpraxis zusammen, um resilienten Eschennachwuchs zu etablieren und die Ausbreitung des Erregers einzudämmen. Die Ergebnisse dieser Forschung geben Hoffnung auf den Erhalt der gefährdeten Baumart, und bis 2024 wird das Programm abgeschlossen sein. Resistente Eschen haben bereits in Samenplantagen Einzug gehalten, und die ersten Pflanzen könnten in etwa 20 Jahren fruktifizieren.
Ein Lichtblick für die Esche
Die Herausforderung, die die Esche in Deutschland überwinden muss, ist nicht nur eine Frage der botanischen Resilienz, sondern steht auch im Zusammenhang mit der Globalisierung, die den Erreger nach Europa brachte. Herkömmliche Fungizide sind im Wald nicht effektiv gegen Pilzkrankheiten, weshalb innovative Ansätze wie das Priming, das die Abwehrkraft der Bäume stärken soll, erforscht werden. Das Mikrobiom der Bäume könnte ebenfalls zur Widerstandsfähigkeit beitragen, indem bestimmte Mikroorganismen das Wachstum des Schaderregers hemmen.
Die Maßnahmen zur Nachpflanzung in den Maximiliansanlagen sind nicht nur ein Schritt zur Wiederherstellung der Baumvielfalt, sondern auch ein Teil eines größeren Kampfes um die Zukunft der Esche in Deutschland. Die Entwicklungen in der Forschung und die Umsetzung vor Ort zeigen, dass es noch Hoffnung für diese wertvolle Baumart gibt. Wenn alles gut geht, wird die Esche nicht nur als Forstbaumart bestehen bleiben, sondern auch weiterhin das Landschaftsbild Münchens prägen. Mehr dazu können Sie in einem Artikel der Abendzeitung München nachlesen.