In Bayern läuft der Ausbau der Windkraft nicht so rund, wie es viele sich wünschen würden. Die neuesten Ausschreibungen der Bundesnetzagentur zeigen, dass von 44 bayerischen Projekten nur fünf einen Zuschlag erhielten, während bundesweit über 400 Zuschläge vergeben wurden. Martin Stümpfig, der Energieexperte der Grünen, spricht von einem klaren Nachteil für die süddeutschen Bundesländer, wo die Windverhältnisse oft nicht die besten sind. Er fordert eine sogenannte „Südquote“ für regionale Windkraftprojekte, um dem entgegenzuwirken. Diese Ausschreibungen sind entscheidend, da sie die staatlichen Zuschüsse nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ermitteln, und die heimische Windkraft könnte helfen, die bayerischen Stromnetze zu stabilisieren und die Kosten des Engpassmanagements zu reduzieren. Im Jahr 2025 wurden in Bayern etwa 60 Terawattstunden Strom erzeugt, während der Verbrauch bei rund 80 Terawattstunden lag.

Das Problem wird durch Verzögerungen beim Bau der Höchstspannungsleitungen Südlink und Südostlink verstärkt, was zu Netzengpässen führt. Der norddeutsche Windstrom wird häufig abgeregelt, während in Bayern Gaskraftwerke für teuren Strom sorgen müssen. Interessant ist, dass neue Windräder in Bayern trotz einer zu erwartenden Ertragsminderung von 20 % volkswirtschaftlich sinnvoll sein könnten. Von 2024 bis Ende 2025 wurden bereits 1.099 Anträge für neue Windräder eingereicht, doch nur 291 Anlagen erhielten eine Genehmigung.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Rechtsrahmen und Ausschreibungen

Die gesetzlichen Grundlagen für diese Ausschreibungen sind im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert, speziell in den Paragraphen 28 bis 36j. Für das Jahr 2026 liegt der Höchstwert für Ausschreibungen im Bereich Windenergie an Land bei 7,25 Cent pro Kilowattstunde. Seit dem 1. Januar 2017 werden Zahlungen für neu in Betrieb genommene Anlagen mit einer installierten Leistung von über 1.001 Kilowatt durch Ausschreibungen ermittelt. Besonders hervorzuheben ist, dass Pilotwindenergieanlagen und solche von Bürgerenergiegesellschaften von diesen Ausschreibungen ausgenommen sind, was ihnen eine gewisse Flexibilität bietet.

Ein weiteres wichtiges Element sind die Fristen und Meldungen, die von den Anschlussnetzbetreibern überwacht werden. So müssen Bürgerenergiegesellschaften innerhalb von drei Wochen nach Genehmigung eine Mitteilung an die Bundesnetzagentur machen. Diese Regelungen sorgen dafür, dass die Entwicklung neuer Windkraftprojekte in geordneten Bahnen verläuft, auch wenn die Realität oft komplexer ist.

Erneuerbare Energien in Deutschland

In einem größeren Kontext betrachtet, zeigt sich, dass im Jahr 2025 in Deutschland insgesamt 290 Terawattstunden (TWh) erneuerbarer Strom erzeugt wurden, was einem Anstieg von rund 1 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch stieg von 54,4 % im Jahr 2024 auf 55,1 % im Jahr 2025. Windenergie und Photovoltaik sind dabei für über 75 % des erneuerbaren Stroms verantwortlich. Trotz eines historisch windschwachen Frühlings, der die Wind- und Wasserkraft negativ beeinflusste, wurden 134 TWh allein durch Windenergieanlagen (Land und See) erzielt.

Der Ausbau der Photovoltaik zeigt sich als besonders dynamisch: 2025 stieg die Solarstromerzeugung auf 91,6 TWh, was einem Zuwachs von 21 % entspricht. Diese Entwicklungen sind nicht nur wichtig für die Energiewende, sondern auch für die Erreichung der Klimaziele, da im Jahr 2025 insgesamt 265 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente durch erneuerbare Energien vermieden wurden. Bayern steht hier vor der Herausforderung, die eigenen Potenziale auszuschöpfen und die infrastrukturellen Hürden zu überwinden, um auch im Windkraftbereich eine führende Rolle einzunehmen.

Insgesamt ist es klar: Die bayerische Windkraft hat das Potenzial, einen wertvollen Beitrag zur Energiewende zu leisten, doch die Hürden sind hoch. Mit einer strategischen Neuausrichtung und einer stärkeren Unterstützung durch die Politik könnte Bayern bald auf der Überholspur in der Windkraft sein.