In München tut sich einiges auf dem Immobilienmarkt. Der erfahrene Makler Thomas Aigner, der seit 35 Jahren in der Branche tätig ist, stellt fest, dass sich der Markt nach einer Phase des Anstiegs nun stabilisiert. Dank der Zinswende sind viele Teilbereiche bereits wieder auf Preisniveaus von 2019/2020 zurückgekehrt. Aigner nennt aktuelle Rekordpreise von bis zu 30.000 Euro pro Quadratmeter für High-End-Immobilien und beziffert die Nachfrage nach beliebten Immobilien wie exklusiven Villen ab 400 Quadratmetern und Penthouses ab 200 Quadratmetern, die meist nicht älter als fünf Jahre sind.

Über die langfristige Entwicklung des Marktes ist Aigner jedoch skeptisch: Historische Preisentwicklungen von 2010 bis 2021 werden nicht wieder erwartet. Besonders gefragt sind kompakten Wohnungen mit Homeoffice-Möglichkeiten, während die hohen Preise für Einfamilienhäuser und Reihenhäuser bei rund einer Million Euro stagnieren. Die Nachfrage konzentriert sich also auf das Eigennutzer-Segment. Kapitalanlagen verlieren an Attraktivität, weil die Renditen gering sind und die Preise hoch bleiben. In München ist das mit durchschnittlich 10.500 Euro pro Quadratmeter die teuerste Stadt für Immobilien in Deutschland, wie muenchen-online.de berichtet.

Aktuelle Marktentwicklungen

Die Zinswende hat den jahrelangen Immobilienboom in Deutschland ausgebremst. Steigende Finanzierungskosten führen zu längeren Verkaufszeiten und einem selektiven Käuferverhalten. Käufer zeigen ein abwartendes Verhalten, während die Verkäufer sich anpassen müssen, um die Immobilien loszuwerden. Analysen bestätigen, dass potenzielle Käufer stark unter der monatlichen Mehrbelastung bei gleicher Kreditsumme leiden, die zwischen 30 und 40 Prozent liegt. Dies hat zur Folge, dass Kaufentscheidungen oft aufgeschoben oder revidiert werden.

Mit Blick auf die Preisentwicklungen ist erkennbar, dass es in Randlagen seit Herbst 2022 zu Rückgängen von 5 bis 10 Prozent gekommen ist. Dennoch stabilisieren sich die Preise in den begehrten Lagen, was der Nachfrage in diesen Vierteln, wie dem Glockenbachviertel, zugute kommt. Der Markt zeigt signs einer Abkühlung – mit längeren Vermarktungszeiten und einem wachsenden Bestandsangebot. Abendzeitung München beschreibt, dass Käufer wieder Vertrauen in den Markt gewinnen, aber keine nachhaltige Trendumkehr in Sicht ist.

Die Trends im Neubausektor

Ein weiterer Aspekt ist der Druck auf den Neubausektor. Die Baukosten sind um satte 25 Prozent gestiegen, während die Baugenehmigungen um 30 Prozent zurückgingen. Bauträger sehen sich gezwungen, ihre Projekte anzupassen, was zu Verzögerungen oder sogar zu Planungsstopps führt. Dies verschärft die Wohnungsknappheit in der Stadt, da die Neubautätigkeit hinter dem Bedarf zurückbleibt. Trotz der Herausforderung sind Fundamentaldaten wie Bevölkerungswachstum und wirtschaftliche Stabilität hinreichende Indikatoren für langfristige Nachfrage, wie tz.de aufführt.

Zusammenfassend zeigt sich, dass München zwar nach wie vor ein heißer Markt für Immobilien ist, aber Käufer und Verkäufer sich in einem neuen, vorsichtigeren Rahmen bewegen müssen. Die klare Segmentierung des Marktes bedeutet, dass hochwertige Immobilien ihren Wert besser behaupten als energetisch problematische Objekte. Somit könnte der geforderte Fokus auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz die Zukunft des Marktes nachhaltig beeinflussen.