In München-Allach sorgt die geplante Erweiterung der Produktion von Schienenfahrzeugen durch Siemens für gemischte Gefühle unter den Anwohnern. Während die Firma ambitionierte Pläne verfolgt, um ihre Kapazitäten auszubauen, äußern viele Bürger, darunter Sonja Kraft und ihre Nachbarn, ernsthafte Bedenken hinsichtlich der zu erwartenden Lärm- und Verkehrsbelastungen. Kraft betont, dass die Nachbarschaft zwar mit der Industrie gewachsen ist, die aktuellen Pläne jedoch als überdimensioniert empfunden werden. Dies zeigt sich auch in den Berichten von Daniel Schäfer, der seiner Familie nächtliche Geräusche und störendes Licht vorwirft. Die Unruhe unter den Anwohnern wird durch die Informationspolitik von Siemens verstärkt, da relevante Informationen erst Ende Januar zur Verfügung gestellt wurden.

Insgesamt haben 76 Anwohner eine gemeinsame Einwendung gegen die Pläne organisiert, was die Sorgen über Lärm und Verkehr verdeutlicht. Siemens hingegen argumentiert, dass eine Lärmemissionsberechnung die Einhaltung der gesetzlichen Lärmschutzgrenzwerte belegt. Laut dem Referat für Klima- und Umweltschutz gilt der betroffene Bereich als Gemengelage mit spezifischen Lärmgrenzwerten, die tagsüber bei 60 Dezibel und nachts bei 45 Dezibel liegen. Eine unabhängige Messstelle soll nach Inbetriebnahme der erweiterten Anlage die Lärmemission überprüfen. Dennoch befürchten viele, dass sie im schlimmsten Fall gezwungen sein könnten, wegen steigender Lärm- und Verkehrsbelastungen wegzuziehen. Anwohner haben bis zum 11. März die Möglichkeit, Einwendungen beim Referat für Klima- und Umweltschutz einzureichen; ein Erörterungstermin ist für den 16. April geplant.

Bedenken um Lärmschutz und Lebensqualität

Die Sorgen um Lärmschutz sind nicht nur in München-Allach präsent. Auch in anderen Städten, wie Spandau, gibt es ähnliche Konflikte. Dort plant man die Reaktivierung der Siemensbahn, die ab 2029 den Betrieb aufnehmen soll. Eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Planungswerkstatt neue Siemensstadt“ setzt sich vehement gegen diese Reaktivierung ein. Die Anwohner und Mitarbeitenden der ansässigen Firmen haben ähnliche Anliegen wie die Münchener: Lärmschutz und die Erhaltung der Lebensqualität stehen im Vordergrund. Berichte von Anwohnern zeigen, dass insbesondere die Nähe der S-Bahn-Gleise zu Wohngebieten und Schulen Bedenken aufwirft.

Die Initiative hat bereits Einwände bezüglich der zu erwartenden Lärmbelästigung an die Senatsverwaltung für Verkehr gerichtet, jedoch bislang keine zufriedenstellenden Antworten erhalten. Geplante Lärmschutzmaßnahmen umfassen unter anderem Schienenschmieranlagen und eine Maximalgeschwindigkeit von 60 km/h für die S-Bahn. Die geplante Verbindung zum Hauptbahnhof und zum BER-Flughafen wird durch insgesamt 124 Fahrten pro Tag in beide Richtungen mit einer Taktung von 10 Minuten ergänzt, was potenziell die Lärmbelastung in der Umgebung erhöht.

Regelungen und Maßnahmen zur Lärmminderung

Um dem Lärmproblem in städtischen Gebieten entgegenzuwirken, gibt es auf bundesweiter Ebene Regelungen wie die Lärmaktionspläne, die auf Grundlage von Lärmkarten erstellt werden. Ziel dieser Pläne ist es, Lärmprobleme und deren Auswirkungen zu regeln und konkrete Maßnahmen zur Lärmminderung festzulegen. Schutz ruhiger Gebiete vor einer Zunahme des Lärms ist ebenfalls ein zentrales Anliegen dieser Pläne. Die Verantwortung für die Lärmaktionsplanung liegt bei den Gemeinden oder zuständigen Behörden, und das Eisenbahn-Bundesamt ist für die Erstellung eines bundesweiten Lärmaktionsplans für Hauptstrecken zuständig.

Bis zum 18. Juli 2024 müssen die Lärmaktionspläne erstellt, überprüft oder überarbeitet werden, wobei die Öffentlichkeit rechtzeitig und effektiv beteiligt werden muss. Entscheidend ist auch, dass die Maßnahmen der Öffentlichkeit transparent kommuniziert werden. Bei der Planung muss berücksichtigt werden, dass mehrere Lärmquellen die Lebensqualität der Anwohner beeinflussen können. Hier zeigt sich, dass sowohl in München als auch in Spandau die Anliegen der Anwohner ernst genommen werden müssen, um eine Balance zwischen industrieller Entwicklung und Lebensqualität zu finden.

Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen in München-Allach und den Bedenken der Anwohner können Sie die vollständige Berichterstattung auf tz.de nachlesen.